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Korsika Sechs-Tagestour im Fr

Mai 17, 2009 by · 12 Kommentare 

Nach langer Vorbereitung ist es endlich so weit: wir stehen mit fertig gepacktem Rucksack am Flughafen. Mit meinem Rucksackgewicht von 4 kg und 3 kg Proviant bin ich ganz zufrieden.

Leider gestaltet sich aber die Anreise aus Hannover als ziemlich problematisch. In Paris steht zuerst ein Flughafenwechsel an (den wir gerade so geschafft haben) und nach Ankunft unseres Fliegers in Bastia steigen wir in ein Taxi, das uns direkt nach Cazamozza zum Bahnhof fährt. Dort bekommen wir dann gerade noch so den Zug nach Corte, unserem Ausgangspunkt der Trekkingtour. Um kurz nach 19 Uhr und nach zehn Stunden Anreise sind wir dann endlich im Hotel. Den Abend nutzen wir noch, um Corte ein wenig zu besichtigen und in einem der vielen Restaurants eine Stärkung für die Tour zu uns zu nehmen.

Am nächsten Morgen beginnen wir dann unsere Tour direkt in Corte. Unser erstes Ziel ist das Refuge de la Sega im Tavignanu Tal. Über sieben Stunden benötigen wir für die 17 km und 900 hm. Damit wird uns auch die Art der Tour sehr deutlich, es geht immer über große Steine, die ein Vorankommen nur  sehr langsam ermöglichen.

Tavignanu Tal - Start bei Corte

Teilweise sind die Wege auch zu kleinen Wasserläufen oder Bächen geworden, da viel Schmelzwasser von den Bergen kommt. Seit 1979 lag auf Korsika nicht mehr so viel Schnee.  Wie wir später feststellen werden liegt die Schneegrenze noch bei 1.700 Meter und das im Mai!

Beim Einstieg in das Tavignanu Tal kommen uns noch die ersten Wanderer entgegen und wenige treffen wir auch noch am Refuge de la Sega.

Refuge de la Sega

Nicht unweit von unserem Tarp schlägt noch ein weiteres Pärchen ihr Kuppelzelt am Refuge de la Sega auf. Wer hätte aber gedacht, dass dies die letzten Wanderer sein werden, die wir auf der Tour sehen werden...

Unsere Tarps am Refuge de la Sega

Am nächsten Morgen geht es weiter im Tavignanu Tal und als weiteres Ziel steht der Bergsee Lac de Goria an. Auch heute geht es durch die steinigen Wegverhältnisse erheblich langsamer voran als geplant. Kurz vor dem Lac de Goria erschwert zusätzlich noch Schnee das Weiterkommen. Leider ist das Gehen auf dem Schnee sehr schwierig, da der Schnee schon sehr matschig ist und wir teilweise sehr stark einsinken.

Tavignanu Tal - Schnee ab 1700 Meter

Wir entscheiden uns dann bei ca. 1800 Metern Höhe, nur noch 1 km oder weniger vor dem Lac de Goria umzudrehen. Obwohl wir wasserdichte Sealskin Strümpfe dabei haben, wollen wir unsere Schuhe für die weitere Tour möglichst trocken halten. Wir bauen unser Tarp kurz unterhalb der Schneegrenze an der Bergerie de Lenze auf.

Tarp - Bergerie de Lenze

Die Temperaturen gehen in der Nacht bis auf 2 Grad runter. Am Tage waren es ca. 15 Grad, die sich in der Sonne aber erheblich wärmer anfühlen.

Unser nächstes Ziel am Morgen ist der Lac de Nino. Von der Bergerie de Vaccaghia nur etwa 3,5 km entfernt.  Im Sommer gibt es hier Wildpferde. Allerdings gestaltet sich auch hier das Vorankommen als sehr schwierig. Mehrfach müssen wir durch Wasserläufe waten und Restschneefelder erschweren das Vorankommen zusätzlich.

Waten durch diverse Flussläufe

Teilweise ist durch den Schnee auch die Wegmarkierung nicht mehr zu erkennen. 2,5 Stunden brauchen wir auch hier für 2,5 Kilometer.  Bei 1.800 Höhe stehen wir schon wieder im Tiefschnee und es wird mir klar, dass wir den Lac de Nino wohl auch nicht sehen werden. Er wird ebenfalls von Schnee bedeckt sein und so kehren wir auch dieses Mal um. So bleiben mir die beiden Seen beim nächsten Mal als Ziel erhalten...

Kurz vor unserem Tagesziel dem Lac de Creo kreuzt noch eine Wildschweinherde mit zwei Wildscheinkindern unser Weg. Der Angriff der einer Wildscheinmutter war sehr deutlich und wir machen uns schneller aus dem Staub als uns lieb war.
Wenig später erreichen wir den Lac de Creno (in 1.350 Meter Höhe). Hier stellen wir unser Tarp an den Klippen am Südufer auf. Unser Caldera Keg Kocher ist schnell aufgebaut und wenige Minuten später sitzen wir am See und genießen die Abendsonne über dem See.

Lac de Creno

Leider verlassen wir nun die Alpine Zone (die auf Korsika schon bei 1.300 Metern Höhe beginnt) und es geht die nächsten beiden Tage wieder unterhalb der Baumgrenze durch die Orte Orto, Guangno und Pastricciola weiter auf der Tour.  Guangno und Pastricciola bieten übrigens Einkaufsmöglichkeiten unterwegs. Die Geschäfte sind aber schwer oder für mich teilweise gar nicht von außen zu erkennen. In Pastricciola erkennt man den Laden dadurch, dass draußen einige Gasflaschen vor dem Haus stehen. Ein Schild mit einem Hinweis auf ein Geschäft gibt es nicht (auch nicht direkt am Haus!).

Unsere letzte Nacht verbringen wir nach 18 km und 1.300 hm kurz vor dem Bocca d´Oreccia in der Bergerie de Terricione.  Hier finden wir keine geeigente Möglichkeit unser Tarp aufzustellen und so übernachten wir direkt in der Bergerie.

Bergerie de Terricione

Am nächsten Tage geht es dann weiter Richtung Vivario, unserem Endziel der Tour. Von dort nimmt uns die Bahn wieder nach Corte mit zurück.

Bocca d´Oreccia

Inzwischen liegen knapp 100 km hinter uns. Leider mussten wir so manche Tourziele aufgrund der Schneeverhältnisse auslassen. Unsere eigentliche Planung über den Breche de Capitello haben wir schon vor der Tour verworfen.

Vielen Dank an der Stelle noch an Mateusz (Laufbursche) und Eric Finger von Abenteuer Korsika die mich bei der Tourplanung hilfreich unterstüzt haben.

Die Tour im Detail (ca. 95 km)
- 1. Tag Corte bis Refuge de la Sega (17 km, 900 hm)
- 2. Tag bis Bergerie de Lenze (12 km, 660 hm)
- 3. Tag bis Lac de Creno (14 km, 320 hm)
- 4. Tag bis Guagno (13 km, diverse Höhenmeter bergab)
- 5. Tag bis Bergerie de Terricione (Bocca d´Oreccia) (18 km, 1.300 hm)
- 6. Tag bis Bahnhof Vivario (20 km)

Hilfreiche Links und Infos für die Planung:
- Korsika Kartenmaterial bei Abenteuer Korsika
- Corsicabus.org (Infos zu Bus und Bahnen auf Korsika)
- Metroconsult (Das Wetter in Corte)
- WLAN in Corte gibt es in der Bar de la plage (am Bahnhof Corte) oder am Uni Gelände

Zeitraum der Tour: 6 Tage (30.4.-6.5.2009)

Temperaturen auf der Tour:
- Tagsüber 15–22 Grad
- Nachts 2-7 Grad

Packliste Korsika Frühjahrstour:
Korsika Ultraleicht Packliste

Galerie:

Kommentare

12 Kommentare zu “Korsika Sechs-Tagestour im Fr”
  1. Carsten Jost sagt:

    Hi Johannes,

    sehr cooler Bericht.

    Finde ich sehr wichtig, dass man mal sieht, dass UL-Ausrüstung auch und vor allem
    unter schwierigen Bedingungen funktioniert. Nicht vorzustellen, wie die Tour wohl mit
    einem 15kg Rucksack gewesen wäre, oder?

    Von den Bedingungen hört sich das genauso an wie die Verhältnisse in der
    Sierra Nevada auf dem Pacific Crest Trail zur Thruhiker-Zeit 🙂

    Bis bald

    Carsten

  2. trailblaze sagt:

    Hi Carsten,
    zum Glück war ich noch nie mit einem 15 kg Rucksack unterwegs 🙂

    Ja, UL war hier kein Problem. Durch das relativ gute Wetter hätten wir sogar problemlos ein weiteres Kilo durch Regenklamotten, regendichte Packsäcke und das Tarp einsparen können. Aber das weiss man ja nicht im Vorfeld…

    Trailblaze.

  3. Chobo sagt:

    Hi Trailblaze!
    Ein schöner Bericht mit tollen Bildern. Beim Überfliegen deiner Packliste ist mir eine Sache aufgefallen: warum hattest du denn die Berghaus Infinity UND die Montbell Daunenjacke dabei? Hätte letztere nicht absolut gereicht? Du schreibst, du hast beide täglich getragen. Bei welcher Gelegenheit? Daune im Camp, KuFa auf Tour? Ich habe immer nur eine Daunenjacke dabei oder ein Fleece, kommt mir irgendwie zu viel vor.
    LG,

    Chobo

  4. trailblaze sagt:

    Hi Chobo,
    ich trage die Infinity immer auf der Tour (wegen Kunstfaser Primaloft) und die Daunenjacke nehme ich als zusätzliche Isolation im Camp. Abends und auch morgens nach dem Aufstehen war es noch sehr frisch (5 Grad) und ich war froh die Daunenjacke dabei gehabt zu haben. Reicht Dir ein Fleece bei <10 Grad im Lager? Mir ist das bei Ruhepuls of zu wenig. Aber die Daunenjacke ist schon etwas (Gewichts-)Luxus den ich mir gönne...

    Trailblaze

  5. hrXXL sagt:

    hi
    Schöne Tour mit wunderbaren Bildern. da wird man direkt neidisch.
    Es ist doch erstaunlich wie weit man sein gewicht runterschrauben kann. 4kg (soviel wie mein Rucksack und sachlafsack zusammen)
    Aber da soll sich auch noch was ändern.

    Hättest du zufällig paar bilder von dem bivy für mich und Erfahrungsberichte???

    mfg beni

  6. trailblaze sagt:

    Hi hrXXL,
    vielen Dank! Ich plane in kürze einen Artikel mit Fotos zu meinem UL Bivy von MLD. Schick mir doch Deine EMail, dann informiere ich Dich gerne. Ich hatte vor kurzem sonst noch einem Bericht über den Titanium Goat Ptarmigan Bivy. Der wiegt auch nur 165 Gramm ohne Fliegengitter. http://www.trailblaze.de/titanium-goat-ptarmigan-bivy.html.

    Trailblaze.

  7. Ingmar sagt:

    Warum haben die [UL]s eigentlich immer alles doppelt mit (Kocher, Pötte etc.). Da könnte man doch auch noch sparen 😉

  8. trailblaze sagt:

    Hi Ingmar,
    weil auch ULs großen Hunger auf den Touren haben und jeder als erster Essen möchte 🙂

    Trailblaze.

  9. Jan sagt:

    Hallo Trailblaze,

    ehrlich gesagt habe ich noch nicht einmal gewusst, dass es „Wandern im Leichtgewichtsbereich“ überhaupt gibt. Von daher: Bei mir hast Du Dein Ziel ein Stück weit erreicht. Vor allem habe ich aber Lust auf Korsika bekommen. Ich habe das schon länger im Hinterkopf – ich glaube jetzt fange ich an, konkret zu planen!

    Grüße, Jan

  10. Hendrik M sagt:

    Toller Bericht, und das Gewicht ist natürlich absolut genial, 4kg – Respekt! Ich denke so weit runter werde ich es nie schaffen, aber ich bin dabei von normal auf lighweight oder UL umzusteigen =)

  11. britta sagt:

    hey
    echt cool.
    und was hat das so alles in allem gekostet?

    gruß britta

  12. trailblaze sagt:

    Hi Britta,
    welche Kosten interessieren dich? Naja, eigentlich nur die Verpflegung und der Flug bzw. Anreise nach Korsika.

    Den Rest hatte ich ja schon 🙂

    Grüße,
    Johannes / Trailblaze.

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